ADas Hotel “Croce Bianca” in den Dolomiten hat eine lange Geschichte, die bis ins 19. Jh. zurückreicht.
Alles begann im Jahre 1869, als das Gebiet um die bleichen Berge das Interesse der Noblesse, des Bürgertums und der Wissenschaft, erweckte. Das Interesse für die Dolomiten verbreitete sich vorerst in der damaligen K. und K. Monarchie, dann aber auch im gesamten alten Europa. Unsere Geschichte begann genaugenommen am 2. September 1869 als Andreas Detone’s Wirtshaus „l’ost dal bosch“ (zu deutsch: Der Wirt im Walde) erstmals die Zulassung zum Verkauf von Spirituosen, Kolonialwaren, wie Tee, Kaffee und dergleichen, erlang.
Im Jahre 1882 bekam dann der Inhaber des Wirtshauses Andreas Detone, ursprünglich aus dem nahegelegenen Dorf Dèlba, die Erlaubnis, Gäste bzw. Touristen in seinem Haus aufzunehmen und für Speis und Trank samt deren Wohl, zu sorgen. Nichtsdestotrotz waren die folgenden Jahre für Andrea recht schwierig; Im Sommer nahm er sich das Wohlergehen seiner Gäste zu Herzen, von Oktober bis Mai hingegen, begab er sich wie so viele Fassaner „aufs Land“, um sich seinen Lebensunterhalt als Maler und Dekorateur zu verdienen. Andreas kam in die Schweiz, wo ihm beigebracht wurde, dass die ruhmvollsten und luxuriösesten Hotels „Weißes Kreuz“ benannt wurden. Zurück in den Dolomiten hielt er es wohl für den besten Anfang, sein Gästehaus nach den Schweizer Hotels zu benennen.
Zusammen mit seinem Sohn Josef begann er in den darauffolgenden Jahren mit den Renovierungsarbeiten, um sein eigenes Gästehaus den damalig- gesellschaftlichen Ansprüchen entsprechend auf Trab zu bringen. Endlich im Jahre 1905 wurde aus dem Gästehaus ein vollkommen renoviertes Hotel mit eigener Dependance, einem Stellplatz für Postkutschenservice und selbstverständlich einem Pferdestall, wo die Tiere für die Kutschen ausgetauscht wurden.

Allerdings erfolgte der qualitative Riesensprung im Jahre 1929 als Josef zusammen mit seinem Sohn Hermann die gesamte Anlage umbaute und die Zimmer auf eine Anzahl von 39 brachte. Diese waren alle mit fließenden, kaltem und warmen Wasser versehen und- abgesehen von der Zentralheizung- mit allem zu der Zeit vorstellbarem Komfort ausgestattet. Zu jener Zeit gab es, anstatt der Zentralheizung den traditionellen Holzofen in jedem Zimmer. Dieser Holzofen musste jeden Morgen von zwei einheimischen Frauen eingeheizt werden, dabei versuchten sie sich so leise wie möglich in die Schlafzimmer der Gäste zu schleichen, während die meisten von Ihnen noch schliefen. Ein klein bisschen Romantik aus den guten alten Zeiten unserer Vergangenheit!
Der erste Weltkrieg traf das Dolomitengebirge hart und brachte viel Elend mit sich. Der Frieden brachte allerdings vorerst keine Besserung der Lage, denn dem Friedensvertrag gemäß, kam der Süden des Heiligen Land Tirols zu Italien. Die damit einziehende gewaltsame „Italienisierung“ der nicht italienischen Gebiete vollzog sich durch das ganze Land. Damals wurde wohl auch das Hotel „Weisses Kreuz„ mit der italienischen Übersetzung umbenannt und hieß nunmehr „Croce Bianca“.
Sehr bald in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts zog die Idee des Wintertourismus durchs Lande, davon blieb das kleine Cianacei in den Dolomiten nicht unberührt. Hierzulande war es vor allem Francesco Dezulian „del Garber“ (ladinischer Spitzname des Stammes der Dezulian) zu verdanken, dass der Wintertourismus erstmals Fuß fassen konnte. Diese völlig neue Einstellung zum Tourismus wurde im Haus Detone frühzeitig verspürt und verlangte nach neuen Investitionen im eigenen Betrieb. Daher erfolgte in den darauf folgenden Jahren der letzte Sprung zum qualitativ-eleganten Hotel; die Zentralheizung wurde 1939 installiert.
„Die damaligen Gäste waren alle Wissenschaftler, Bergsteiger und Alpinisten im wahren Sinn des Wortes, es waren sehr wohlhabende, neugierige Menschen, die es sich vorgenommen hatten, sich die „Bleichen Berge“ besser unter die Lupe zu nehmen und deren Höhen zu erklimmen;“- erzählt Armin Detone, der jetzige Inhaber des Hotels.

Damals kamen auch Touristen aus Deutschland, Ungarn und aus dem Nord-Osten Europas nach Cianacei; dies war mit großer Sicherheit das Ergebnis, der aus den Zeiten der K. und K. Monarchie überlieferten Liebe zu den „Bleichen Bergen“ und dem alten Tiroler Land; eine Liebe, welche ja wie bekannt nicht zuletzt auch das Herz der berühmten und reiselustigen Kaiserin Elisabeth bewegte.
Der Zweite Weltkrieg setzte einen Albtraum in die Tat um, und aus dem Hotel wurden Baracken; vorerst für die Wehrmacht, dann für die Amerikaner und letzt- endlich für die Italiener. Der Krieg hatte das Hotel fast gänzlich zerstört und wurde daher von der „Pro Civitate Cristiana“ gepachtet.

Im Jahre 1949 wurde das „Croce Bianca“ nun endlich wieder von Ermanno, dem Vater des jetzigen Inhabers in die Hand genommen. Zusammen mit seiner Ehefrau Erina einer außerordentlichen Frau, seinen Töchtern Loris, Iris, Marika, Anneliese und dem Sohn Armin, halfen sie dem Hotel wieder auf die Beine und gingen 50 Jahre lang durch dick und dünn. Erina war eine exzellente Köchin, ihre Speisen waren einfach, ihre Zutaten natürlich und gesund, allerdings war der Geschmack der Speisen eines der besonderen Art und das Menü im Hotel befriedigte immer, sowohl den einfachen als auch den anspruchsvollen Gaumen. Für Ihr ganzes Bemühen zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der Qualität des Familienbetriebs all die Jahre hindurch, bekam Frau Detone in späten Jahren auch eine besondere Auszeichnung. In diesen Jahren wurde auch die Sitc (eine Gesellschaft für Aufstiegsanlagen) in Cianacei gegründet. Dies führte natürlich zu einem Wachstum des Urlauberzuflusses vor allem in der Wintersaison, die schon vor einiger Zeit für die größten Einnahmen sorgte.

Im Jahre 1970 nach einer 4 Jährigen Arbeitserfahrung in einem luxuriösen Hotel in Kanada, übernahm Armin die Führung im Hotel. Im selben Jahr renovierte Armin 2 Stockwerke im Hotel und 1980 erfolgte der letzte große Umbau. Heute ist das Hotel mit 45 Schlafzimmer ausgestattet, alle mit privatem Badezimmer, 30 davon mit Wohnzimmerlounge; (die Juniorsuiten) insgesamt sind es also 83 Betten. Das „Croce Bianca“ erhielt vor kurzem auch seinen 4. Stern, was wohl für den Jahrhunderte langem und außergewöhnlichen Einsatz der Familie Detone im eigenen Betrieb und das daraus erfolgende qualitativ hohe Prestige bürgt.
Andreas, Josef, Ermanno, Armin und Derik all diese Namen sprechen für eine Jahrhundert alte Tradition im Bereich des Tourismus und des Hotelmanagements

Wie steht es mit der Zukunft? Was besagen die Sterne?
Nun ja, die Zukunft liegt weniger in den Sternen, sondern vielmehr in den Händen des jüngsten männlichen Mitglieds der Familie: Derik Detone folgt schon seit einigen Jahren den Spuren seines Vaters und seiner Kanadischen Mutter und bringt sowohl den Wunsch, als auch die Begeisterung mit, die ruhmvolle Familientradition fortzuführen. Aus diesem Grunde werden wiederum weitere Investitionen geplant, um dem Ruhm und der Geschichte des Hotels treu zu bleiben und um mit dem ständigen Trendwechsel unserer schnelllebigen Zeit Schritt zu halten.

Mario FELICETTI

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