Im Jahre 1882 bekam dann
der Inhaber des Wirtshauses Andreas Detone, ursprünglich
aus dem nahegelegenen Dorf Dèlba, die Erlaubnis,
Gäste bzw. Touristen in seinem Haus aufzunehmen und
für Speis und Trank samt deren Wohl, zu sorgen. Nichtsdestotrotz
waren die folgenden Jahre für Andrea recht schwierig;
Im Sommer nahm er sich das Wohlergehen seiner Gäste
zu Herzen, von Oktober bis Mai hingegen, begab er sich
wie so viele Fassaner „aufs Land“, um sich
seinen Lebensunterhalt als Maler und Dekorateur zu verdienen.
Andreas kam in die Schweiz, wo ihm beigebracht wurde,
dass die ruhmvollsten und luxuriösesten Hotels „Weißes
Kreuz“ benannt wurden. Zurück in den Dolomiten
hielt er es wohl für den besten Anfang, sein Gästehaus
nach den Schweizer Hotels zu benennen.
Zusammen mit seinem Sohn Josef begann er in den darauffolgenden
Jahren mit den Renovierungsarbeiten, um sein eigenes Gästehaus
den damalig- gesellschaftlichen Ansprüchen entsprechend
auf Trab zu bringen. Endlich im Jahre 1905 wurde aus dem
Gästehaus ein vollkommen renoviertes Hotel mit eigener
Dependance, einem Stellplatz für Postkutschenservice
und selbstverständlich einem Pferdestall, wo die
Tiere für die Kutschen ausgetauscht wurden.
Allerdings erfolgte der qualitative Riesensprung im Jahre
1929 als Josef zusammen mit seinem Sohn Hermann die gesamte
Anlage umbaute und die Zimmer auf eine Anzahl von 39 brachte.
Diese waren alle mit fließenden, kaltem und warmen
Wasser versehen und- abgesehen von der Zentralheizung-
mit allem zu der Zeit vorstellbarem Komfort ausgestattet.
Zu jener Zeit gab es, anstatt der Zentralheizung den traditionellen
Holzofen in jedem Zimmer. Dieser Holzofen musste jeden
Morgen von zwei einheimischen Frauen eingeheizt werden,
dabei versuchten sie sich so leise wie möglich in
die Schlafzimmer der Gäste zu schleichen, während
die meisten von Ihnen noch schliefen. Ein klein bisschen
Romantik aus den guten alten Zeiten unserer Vergangenheit!
Der erste Weltkrieg traf das Dolomitengebirge hart und
brachte viel Elend mit sich. Der Frieden brachte allerdings
vorerst keine Besserung der Lage, denn dem Friedensvertrag
gemäß, kam der Süden des Heiligen Land
Tirols zu Italien. Die damit einziehende gewaltsame „Italienisierung“
der nicht italienischen Gebiete vollzog sich durch das
ganze Land. Damals wurde wohl auch das Hotel „Weisses
Kreuz„ mit der italienischen Übersetzung umbenannt
und hieß nunmehr „Croce Bianca“.
Sehr bald in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts
zog die Idee des Wintertourismus durchs Lande, davon blieb
das kleine Cianacei in den Dolomiten nicht unberührt.
Hierzulande war es vor allem Francesco Dezulian „del
Garber“ (ladinischer Spitzname des Stammes der Dezulian)
zu verdanken, dass der Wintertourismus erstmals Fuß
fassen konnte. Diese völlig neue Einstellung zum
Tourismus wurde im Haus Detone frühzeitig verspürt
und verlangte nach neuen Investitionen im eigenen Betrieb.
Daher erfolgte in den darauf folgenden Jahren der letzte
Sprung zum qualitativ-eleganten Hotel; die Zentralheizung
wurde 1939 installiert.
„Die damaligen Gäste waren alle Wissenschaftler,
Bergsteiger und Alpinisten im wahren Sinn des Wortes,
es waren sehr wohlhabende, neugierige Menschen, die es
sich vorgenommen hatten, sich die „Bleichen Berge“
besser unter die Lupe zu nehmen und deren Höhen zu
erklimmen;“- erzählt Armin Detone, der jetzige
Inhaber des Hotels. Damals kamen auch Touristen aus
Deutschland, Ungarn und aus dem Nord-Osten Europas nach
Cianacei; dies war mit großer Sicherheit das Ergebnis,
der aus den Zeiten der K. und K. Monarchie überlieferten
Liebe zu den „Bleichen Bergen“ und dem alten
Tiroler Land; eine Liebe, welche ja wie bekannt nicht
zuletzt auch das Herz der berühmten und reiselustigen
Kaiserin Elisabeth bewegte.
Der Zweite Weltkrieg setzte einen Albtraum in die Tat
um, und aus dem Hotel wurden Baracken; vorerst für
die Wehrmacht, dann für die Amerikaner und letzt-
endlich für die Italiener. Der Krieg hatte das
Hotel fast gänzlich zerstört und wurde daher
von der „Pro Civitate Cristiana“ gepachtet.
Im Jahre 1949 wurde das „Croce Bianca“ nun
endlich wieder von Ermanno, dem Vater des jetzigen Inhabers
in die Hand genommen. Zusammen mit seiner Ehefrau Erina
einer außerordentlichen Frau, seinen Töchtern
Loris, Iris, Marika, Anneliese und dem Sohn Armin, halfen
sie dem Hotel wieder auf die Beine und gingen 50 Jahre
lang durch dick und dünn. Erina war eine exzellente
Köchin, ihre Speisen waren einfach, ihre Zutaten
natürlich und gesund, allerdings war der Geschmack
der Speisen eines der besonderen Art und das Menü
im Hotel befriedigte immer, sowohl den einfachen als
auch den anspruchsvollen Gaumen. Für Ihr ganzes
Bemühen zur Aufrechterhaltung und Verbesserung
der Qualität des Familienbetriebs all die Jahre
hindurch, bekam Frau Detone in späten Jahren auch
eine besondere Auszeichnung. In diesen Jahren wurde
auch die Sitc (eine Gesellschaft für Aufstiegsanlagen)
in Cianacei gegründet. Dies führte natürlich
zu einem Wachstum des Urlauberzuflusses vor allem in
der Wintersaison, die schon vor einiger Zeit für
die größten Einnahmen sorgte.
Im Jahre 1970 nach einer 4 Jährigen Arbeitserfahrung
in einem luxuriösen Hotel in Kanada, übernahm
Armin die Führung im Hotel. Im selben Jahr renovierte
Armin 2 Stockwerke im Hotel und 1980 erfolgte der letzte
große Umbau. Heute ist das Hotel mit 45 Schlafzimmer
ausgestattet, alle mit privatem Badezimmer, 30 davon
mit Wohnzimmerlounge; (die Juniorsuiten) insgesamt sind
es also 83 Betten. Das „Croce Bianca“ erhielt
vor kurzem auch seinen 4. Stern, was wohl für den
Jahrhunderte langem und außergewöhnlichen
Einsatz der Familie Detone im eigenen Betrieb und das
daraus erfolgende qualitativ hohe Prestige bürgt.
Andreas, Josef, Ermanno, Armin und Derik all diese Namen
sprechen für eine Jahrhundert alte Tradition im
Bereich des Tourismus und des Hotelmanagements
Wie steht es mit der Zukunft? Was besagen die Sterne?
Nun ja, die Zukunft liegt weniger in den Sternen, sondern
vielmehr in den Händen des jüngsten männlichen
Mitglieds der Familie: Derik Detone folgt schon seit
einigen Jahren den Spuren seines Vaters und seiner Kanadischen
Mutter und bringt sowohl den Wunsch, als auch die Begeisterung
mit, die ruhmvolle Familientradition fortzuführen.
Aus diesem Grunde werden wiederum weitere Investitionen
geplant, um dem Ruhm und der Geschichte des Hotels treu
zu bleiben und um mit dem ständigen Trendwechsel
unserer schnelllebigen Zeit Schritt zu halten.
Mario FELICETTI
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